Der Bestand an Waschbären hat in Deutschland in den letzten Jahren beständig zugenommen. Noch vor 50 Jahren wurde der Bestand auf etwa 500 Tiere geschätzt. Aktuell wird von einer mittleren sechsstelligen Anzahl an Waschbären ausgegangen. In einigen Teilen Deutschlands sind die Tiere zu einer wahren Plage geworden. Dabei kommen die Kleinbären dem Menschen immer näher, plündern Futternäpfe der Haustiere oder verschaffen sich über die Schornsteine Zugang ins Haus. Damit Waschbären nicht vom eigenen Zuhause Besitz ergreifen, sollten Maßnahmen der sanften aber effektiven Vertreibung getroffen werden.

Grundlagen: die wichtigsten Faktoren über Waschbären

Der Waschbär fühlt sich in Deutschland ausgesprochen wohl. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die possierlichen Tiere keine natürlichen Feinde kennen. Als Allesfresser ist der Tisch in der Nähe des Menschen für den Waschbären reich gedeckt. Waschbären sind gute Kletterer und Schwimmer und damit sehr gut an ein Überleben in unseren Breiten angepasst.

  • Merkmale: mittelbraunes Fell, geringelter Schwanz, schwarze Zeichnung um die Augen, Männchen größer als Weibchen, verwandt mit Nasenbär und Pandabär
  • Größe: 40 bis 70 cm, Schulterhöhe 23 bis 30 Zentimeter
  • Gewicht: vier bis neun Kilogramm
  • Lebensweise: nachtaktiv, lebt in Gruppen
  • Lebenserwartung: acht bis zwölf Jahre
  • Vorkommen: Waldnähe, menschliche Siedlungen, Dachböden, Schuppen
  • Paarung: Verpaarung Februar bis März
  • Tragzeit: 65 Tage
  • Nachkommen: zwei bis fünf Jungtiere
  • Nahrung: Allesfresser (Würmer, Insekten, Obst, Nüsse, Vogeleier)
  • Vorkommen: natürlicher Lebensraum Nordamerika, heute auch in Deutschland, Frankreich, Russland

Waschbären auf dem Vormarsch: Verbreitungsgebiete in Deutschland

Die Geschichte des Waschbären in unseren Breiten begann mit der Aussetzung zweier Exemplare im Jahre 1934 am Edersee in der Nähe von Kassel. 1944 gelang circa 50 Tieren die Flucht aus einer Pelztierfarm bei Berlin. Heute ist die genaue Anzahl der in Deutschland lebenden Waschbären nicht bekannt.

In einigen Regionen werden die Tiere zu einer Gefahr für Vögel. Obwohl keine größeren ökologischen Schäden durch den Waschbären zu erwarten sind, gibt es Regionen, die sich zur Waschbär-Hochburg entwickelt haben.

Das Kerngebiet der Verbreitung liegt in Hessen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern. Dort liegen mehr als 70 Prozent der Reviere. Allein in Sachsen-Anhalt konnten 91 Prozent der Reviere nachgewiesen werden. In Brandenburg liegt die Anzahl bei 88 Prozent.

Schadwirkung von Waschbären: diesen Schaden richten sie an

Da der Waschbär sehr gut schwimmen und klettern kann, macht er unter Fischen und Vögeln reiche Beute. Die Schadwirkung wird aber auch in Haus und Garten spürbar, denn der Waschbär kennt keine Berührungsängste und dringt mehr und mehr in menschliche Lebensräume vor.

Diese Schäden richten Waschbären im Garten an:

  • Verteilung von Kot

  • Grabungen in den Beeten und auf dem Rasen

  • Mülltonnen werden umgestoßen und ausgeräumt

  • Jungvögel werden aus den Nestern geraubt

  • Fische im Gartenteich sind in Gefahr

Diese Schäden richten Waschbären im Haus an:

  • Schäden am Dach

  • herausgerissenes Dämmmaterial

  • Bissschäden an Dachbalken und Wänden

  • durchwühlte Schränke

  • Schäden an Lebensmitteln

  • Kot und Urin im Haus gefährden die Gesundheit

So wird der Waschbär angelockt

Für den Waschbären ist der Tisch in Haus und Garten reich gedeckt. Auf der Suche nach Nahrung kennt der Waschbär keine Gefahr. Bei Tage nutzen die Kleinbären meist Baumhöhlen als Aufenthaltsort. Gartenhäuser, Schuppen oder Dachböden werden im Winter gern als Domizil genutzt.

Anlocken lässt sich der Waschbär durch folgende häufig in städtischen Lebensräumen vorkommenden Faktoren:

  • Mülltonnen

  • Müllsäcke

  • Komposthaufen

  • Tierfutter

  • Gartenteiche

  • Hühnerställe

  • Vogelnester

  • zugängliche Schuppen und Gartenhäuser

Waschbären vorbeugen mit diesen Tipps

Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich dem Vordringen von Waschbären in städtische Lebensräume vorbeugen. Bekommt der Waschbär keinen Zugang zu seinen gewohnten Futterquellen, wird sich der gefräßige Allesfresser nach einem anderen Domizil umschauen.

Die NABU hält folgende Tipps für die Vorbeugung bereit:

  • Mülltonnen verschließen, mit Steinen beschweren oder mit Spanngummis sichern.

  • Mülltonnen nicht in der Nähe von Bäumen, Zäunen und Mauern aufstellen.

  • Gelbe Säcke nicht längere Zeit vor dem Haus aufstellen und gut verschließen.

  • Den Komposthaufen nicht für die Entsorgung von Fisch, Fleisch, Obst und anderen Lebensmitteln nutzen.

  • Komposthaufen abdecken.

  • Keine Futternäpfe für Haustiere über Nacht im Freien belassen.

So gelangen Waschbären nicht auf den Dachboden:

  • Bäume und Sträucher kürzen, deren Geäst bis auf das Dach reicht und als Kletterhilfe dienen könnte.

  • Die Fallrohre der Regenrinne mit Manschetten aus Blech versehen.

  • Den Schornstein mit einem starken Metallgitter sichern.

  • Mögliche Einstiege ausfindig machen und verschließen.

  • Katzenklappe nachts nicht geöffnet lassen.

Waschbären erkennen durch diese Anzeichen

Waschbären kennen zwar keine Scheu und dringen in menschliche Behausungen vor. Dort zu Gesicht bekommen werden die Anwohner die Eindringlinge jedoch kaum. Daher ist am Schadbild nicht immer eindeutig zu erkennen, ob es sich um einen Waschbären handelt, ein Marder am Werk war oder vielleicht die Katze des Nachbarn für Ärger sorgt.

Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass sich ein Waschbär eingenistet hat:

Bei Sichtung des Tieres:

  • Größe etwa 70 Zentimeter

  • markante Gesichtszeichnung (ähnelt einer schwarz-weißen Maske)

  • Waschbär bewegt sich mit einem Rundrücken

  • schneller Kletterer

Spuren ohne Sichtkontakt:

  • Beschaffenheit des Kots (ähnelt Hundekot, fest, enthält meist Obstkerne oder Fellspuren)

  • Schlafplätze frei von Essensresten oder Kotspuren

  • Fußspuren ähneln den Abdrücken kleiner Hände (Spuren lassen sich mit Sand sichtbar machen)

  • Spuren von Krallen an Holzbalken oder Fallrohren

  • nächtliche Ruhestörung

  • Geräuschentwicklung (Keckern, Fiepen, Kreischen, Knurren)

Das ist beim Waschbären zu beachten

Wer bei der Inspektion des Hauses auf die Jungtiere des Waschbären stößt, sollte diese einsammeln und nachts in einem Karton im Garten aufstellen. Die Mutter wird nicht weit entfernt sein und ihre Jungen abholen und an einen sicheren Ort transportieren.

Das Aussetzen von Waschbären in freier Natur ist verboten. Dies bezieht sich auch auf in Lebendfallen geratene Tiere. Der Waschbär ist dort auszusetzen, wo er auch gefunden wurde. Das Umsiedeln ist eindeutig verboten.

Waschbären dürfen nicht gejagt oder vergiftet werden. Auch Hunde dürfen nicht auf die Tiere angesetzt werden. Tierquälerei ist strafbar. Die genannten Methoden der Vertreibung sind in der Regel wirkungsvoll und ausreichend, um sich nicht von Waschbären gestört fühlen zu müssen.

Der Waschbär kann verschiedene Infektionskrankheiten und Parasiten übertragen. Dazu zählt beispielsweise der Spulwurm. Menschen sollten den direkten Kontakt mit dem Kot der Tiere vermeiden. Da der Kot auch für Haustiere gefährlich werden kann, sollte er schnellstmöglich entfernt und verbrannt werden.

Waschbären vorbeugen und Präventivmaßnahmen

Die Bedrohung durch den Waschbären ist gegenwärtig. Mit folgenden Maßnahmen kann dem Auftreffen der Tiere wirkungsvoll begegnet werden:

  • Auf das Verschließen der Mülltonnen wurde bereits hingewiesen. Ist es nicht möglich, ein Schloss anzubringen, sollten schwere Steine oder starke Spanngummis zum Einsatz kommen.
  • Der Komposthaufen sollte lediglich für Rasenschnitt und andere Gartenabfälle verwendet werden. Kein Interesse zeigt der Waschbär an Kartoffeln oder Gemüseabfällen. Speisereste gehören nicht auf den Kompost.
  • Als Präventionsmaßnahme geeignet sind auch Geräte, die sich als Katzenschreck im Handel befinden. Die Geräte werden im Garten aufgestellt und senden bei Kontakt mit dem Tier Ultraschallwellen aus. Einige Tiervertreiber setzen zusätzlich auf Lichtblitze.

Waschbären vertreiben: Maßnahmen und Tipps

Geht es um die Bekämpfung von Waschbären, sollte zum Wohl des Tieres entschieden werden. Es geht also nicht darum, den Tieren zu schaden, sondern im Fokus stehen die Vertreibung des Waschbären und die Vorbeugung eines erneuten Ausbreitens. Hierfür können verschiedene Methoden zur Anwendung kommen.

  • Garten ausleuchten: Waschbären sind lichtempfindlich. Liegt der Garten nachts nicht im Dunkeln, wird sich vermutlich kein Waschbär nähern. Besonders effektiv funktioniert die Vertreibung bei einem flackernden Lichtstrahl. Um Energie zu sparen, können Solarleuchten verwendet werden. Wer einen Waschbären gesichtet hat und diesen direkt vertreiben will, kann eine Taschenlampe nutzen.
  • Lärm veranstalten: Waschbären mögen keine lauten Geräusche. Bereits geringe Geräuschentwicklungen vertreiben die Tiere. Der Lärm bei der Gartenarbeit oder Musik aus den Lautsprechern dürften bereits ausreichen.
  • Mottenkugeln auslegen: Waschbären sind geruchsempfindlich. Der intensive Geruch der Mottenkugeln sorgt dafür, dass sich die Tiere auf die Suche nach einem anderen Domizil begeben.
  • Äste kürzen:: Waschbären versuchen über das Dach ins Haus zu gelangen. Werden alle Äste soweit gekürzt, dass mindestens ein Meter Abstand zwischen Gewächs und Hausdach besteht, ist es dem Waschbär nicht mehr möglich, ins Haus einzusteigen.
  • Schnellkomposter anschaffen: Der Komposthaufen ist ein gefundenes Fressen für den Waschbären. Selbst eine lose Abdeckung wird ihn nicht davon abhalten, sich zu bedienen. Abhilfe schafft lediglich ein verschließbarer Schnellkomposter.
  • Katzenklappen mit Sensor anschaffen: Der Waschbär ist nicht dumm und hat schnell begriffen, dass er auf demselben Weg wie der Stubentiger ins Haus gelangen kann. Dies wird vermieden, wenn sich die Katzenklappe nur für das eigene Tier öffnet. Dies wird durch einen Sensor ermöglicht, die Katzen müssen ein Halsband tragen oder gechipt sein.

Zusammenfassung & Fazit

Der Waschbär stammt aus Nordamerika, wurde einst in Deutschland bewusst ausgesetzt und hat sich seither derart verbreitet, dass er in Hessen, Brandenburg und anderen Regionen Deutschlands zu einer wahren Plage geworden ist. Geht es darum, den Waschbär zu bekämpfen, wird nicht das Fangen und Töten der Tiere propagiert, sondern es wird nach wirkungsvollen Methoden der natürlichen Vertreibung gesucht. Waschbären lassen sich durch die Anpassung einiger Maßnahmen in Haus und Garten wirkungsvoll vertreiben. Auch eine entsprechende Vorbeugung ist sinnvoll.

FAQ zum Thema Waschbär

Wie sieht ein Waschbär aus?

Der Waschbär besitzt ein graubraunes Fell. Markant ist die maskenähnliche Gesichtszeichnung. Der Schwanz wird von schwarzbraunen Ringen durchzogen.

Was kann man gegen Waschbären tun?

Waschbären lassen sich wirkungsvoll vertreiben, indem ihnen die Nahrungsquellen entzogen werden. Dazu zählen offene Mülltonnen und Komposthaufen ebenso wie die Futternäpfe der Haustiere.

Waschbär im Garten – was tun?

Ist der Waschbär im Garten, lässt er sich mit nächtlicher Beleuchtung oder Lärmentwicklung vertreiben. Der Zugang ins Haus wird durch das Verschließen aller Türen, Fenster und anderer Schlupflöcher verhindert. Der Garten sollte frei von Lebensmittelngehalten werden.

Was frisst ein Waschbär?

Waschbären sind Allesfresser. Auf dem Speiseplan stehen Mäuse, Vögel, Echsen, Obst oder Nüsse.

Wie hört sich ein Waschbär an?

Der Waschbär gibt keckernde und kreischende Geräusche von sich. Sind die Waschbären besonders aggressiv, können sie auch kreischen oder fauchen. Während der Paarung sind die Laute des Waschbären selbst durch das offene Fenster zu vernehmen.

Wie sieht Waschbär-Kot aus?

Der Kot ähnelt den Hinterlassenschaften des Hundes. Meist sind Fellspuren im Kot erkennbar. Auch Obstkerne kann der Kot beinhalten. Der Kot riecht stechend.

Ist ein Waschbär für den Menschen gefährlich?

Waschbären meiden den Menschen. Nur wenn sie sich angegriffen fühlen, neigen sie zu Aggressivität und Angriffslust. Der Waschbär kann schmerzhafte Wunden verursachen und die Gefahr als Krankheitsüberträger sollte nicht unterschätzt werden.

Quellen